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Fokuswoche der Nationalen Armutskonferenz im Europäischen Jahr 2010 zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung

Die Europäische Union hat das Jahr 2010 zum Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung erklärt. In der Fokuswoche vom 19. bis 25. Juni 2010 wird die Armutsbekämpfung stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. In Berlin finden die zentralen Veranstaltungen statt, die durch die Nationale Armutskonferenz (nak), gefördert durch Mittel des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) vorbereitet und durchgeführt werden. In der Nationalen Armutskonferenz arbeiten zentrale Akteure der Armutsbekämpfung in Deutschland wie u.a. die Diakonie, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Arbeiterwohlfahrt mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund sowie Selbsthilfeorganisationen von Betroffenen zusammen. Das Diakonische Werk hat für die nak die Geschäftsführung übernommen. Wir laden Sie herzlich zur Teilnahme an  den verschiedenen Veranstaltungen ein, die die Fokuswoche bietet. Informationen und Anmeldeformulare zu den verschiedenen Veranstaltungen finden Sie an den entsprechenden Stellen dieses Überblicks.

Eine sachliche und umfassende Diskussion über Ziele und Erfolge der Armutsbekämpfung in Deutschland ist dringend notwendig. Gerade hat das Bundesverfassungsgericht im Februar dieses Jahres unmissverständlich festgestellt, dass soziale Hilfen keine Gnade sind, sondern Ausdruck des Grundrechtes auf die Sicherung des sozialen und kulturellen Existenzminimums.

In Deutschland sind nach einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung 14% der Bevölkerung, das sind 11,5 Millionen Menschen von Armut bedroht. Die Zahl der Einkommensarmen wie der Reichen hat in den letzten Jahren gleichmäßig zugenommen. Die Mittelschicht erodiert nach beiden Seiten. Von Armut besonders betroffen sind Kinder, Jugendliche und Alleinerziehende, aber auch Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen und MigrantInnen.

Über 5 Millionen Menschen in Deutschland bekommen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II („Hartz IV“), darunter über 600.000, das sind 42 % aller Alleinerziehenden, 1,31 Millionen Erwerbstätige und 1,74 Mio. Kinder. Rechnet man alle Grundsicherungsleistungen zusammen, werden hiervon rund 9 % der Bevölkerung erfasst. Ein spürbarer Teil der Bevölkerung – bis zu 5% - lebt in Armut, ohne staatliche Grundsicherungsleistungen zu erhalten. Die EU mahnt, im Rahmen einer gemeinsamen Strategie Armut zu überwinden. Seit 2001 haben sich die Armutszahlen in der EU aber nicht verbessert, sondern die Armut hat zugenommen.

Die nachfolgenden Veranstaltungen innerhalb der Fokuswoche sind offen für Betroffene, Mitarbeitende der Freien Wohlfahrtspflege , der Verwaltungen, der Wirtschaft, ehrenamtlich und hauptamtlich Tätige sowie Interessierte.

Kaum ein anderes Gesetz hat Deutschland so tief greifend verändert wie das "Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt", bekannt unter dem Namen "Hartz IV". Auch fünf Jahre nach seiner Einführung spaltet es das Land in Befürworter und Gegner. Der Berliner Kongress zur Zukunft von Hartz IV am Samstag, 19. Juni lädt Engagierte und Interessierte aus Kirche und Diakonie, aus Politik und Gesellschaft, aus sozialen Initiativen und Gewerkschaften, Betroffene und Nicht-Betroffene herzlich zum Mitdenken und Mitdiskutieren in die Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg ein. Die Veranstaltung mit dem Titel „Du sollst das Recht der Armen nicht beugen“ wurde vom Arbeitskreis Arbeit-Teilhabe-Gerechtigkeit in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz vorbereitet.

Am Montag, dem 21. Juni findet in Potsdam der Brandenburger Sozialgipfel (BS) statt, der sich aus einer Fachkonferenz mit Podium und Workshops sowie einem öffentlichen Teil in der Potsdamer Innenstadt zusammen setzt. Während der Fachkonferenz, zu der 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Brandenburg erwartet werden, diskutieren ExpertInnen und Betroffene über soziale Schieflagen und deren Auswirkungen in Deutschland und Brandenburg. Dabei kommen auch die bisher von der Landesregierung unternommenen Schritt auf den Prüfstand. Eine öffentlicher „Markt der Möglichkeiten“, eine Kundgebung und ein Bühnenprogramm begleiten die Fachkonferenz und bieten Raum für öffentliche Beteiligung. Der Kongress ist eine Veranstaltung der Brandenburger Landesarmutskonferenz.

Eine für die von Armut Betroffenen zentrale Veranstaltung in der Fokuswoche ist das 5. Treffen der Menschen mit Armutserfahrung am Montag, dem 21. und Dienstag, dem 22. Juni. Dieses Treffen unter dem Motto „Gemeinsam mit neuem Mut?! - Gemeinsam mit neuer Wut!?“ dient dazu, Betroffene zu vernetzen und aus ihrer Sicht eigene Anforderungen an Politik und Gesellschaft zu formulieren. Es findet in den Räumen der Berliner Stadtmission statt, die für ihre kompetenten Hilfen für Wohnungslose bekannt ist.

Mit der Präsentation einer Auswahl von Werken der Ausstellung „Kunst trotz(t) Armut“ möchte die Vertretung der EU-Kommission und des Europäischen Parlamentes in der Bundeshauptstadt Berlin ihren Beitrag zu diesem Jahr leisten. Die Wanderausstellung ist als Projekt der Evangelischen Obdachlosenhilfe e.V. und des Diakonischen Werkes der EKD e.V. entstanden. Sie präsentiert 28 interessante Kunstprojekte aus dem In- und Ausland, die sich in jüngster Zeit mit dem Themenfeld „Obdachlosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung“ befasst haben. Neben relativ renommierten Künstlerpersönlichkeiten sind auch weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler sowie Obdachlose mit ihren Arbeiten in der Ausstellung vertreten. Die Ausstellung ist vom 10. bis 26. Juni in den Räumen der EU-Vertretung, Unter den Linden 78, 10117 Berlin, zu sehen. Zur offiziellen Ausstellungseröffnung im Rahmen der Fokuswoche laden die Nationale Armutskonferenz am Montag, dem 21. Juni um 19:00 Uhr in deren Räumen.

Bei der gemeinsamen Aktion von nak und Deutschem Caritasverband „Ich will raus aus der Armut…..“ geht es um die Menschen, die mit wenig Geld und geringen Chancen im Leben klar kommen müssen. Die Aktion findet am Dienstag, 22. Juni 2010, von 14 bis 16 Uhr auf dem Pariser Platz in Berlin statt. Es geht um Menschen, die an ihrer Situation etwas ändern wollen und dafür die Unterstützung der Politik und der Gesellschaft brauchen. Mit der Aktion soll deutlich werden, wie es kommt, dass Menschen in Armut leben und welche Bedingungen und welche Unterstützung sie brauchen, um diese Situation zu überwinden. Die „Armutsaktivisten“, die die T-Shirts mit Aufschriften wie „Ich bin überschuldet und arm“; „Ich habe keine Ausbildung und bin arm“; „Ich bin alleinerziehend und arm“ oder „Ich bin arbeitslos und arm“ tragen, werden nach dem offiziellen Auftakt Flyer verteilen und auf Passanten zugehen, um über die Themen Armut und Ausgrenzung ins Gespräch zu kom-men.

Am Abend desselben Tages findet um 20:00 Uhr in der evangelischen St. Marienkirche in Berlin-Mitte, Karl-Liebknecht-Straße 8, 10178 Berlin ein ökumenischer Gottesdienst zur Fokuswoche statt. Dieser wird von Dompropst Dr. Stefan Dybowski, Pfarrerin Susanne Kahl-Passoth (Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz), Kerstin Griese (Vorstand Sozialpolitik, Diakonisches Werk der EKD) und Mario Junglas (Leiter des Berliner Büros des Deutschen Caritasverbandes) gestaltet.

Auf der Forumsveranstaltung der Nationalen Armutskonferenz am Mittwoch, dem 23. Juni will die NAK in Kooperation mit dem Deutschen Verein gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus sozialpolitischen Verbänden und Initiativen, der Politik, den Medien und Betroffenen die verschiedenen Facetten von Armut ausarbeiten und Lösungswege aufzeigen. In der Vertretung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz in unmittelbarer Nähe von Bundestag und Bundesregierung werden unter dem Titel „Gegen Armut und soziale Ausgrenzung - Akteure im Dialog“ in Arbeitsgruppen Themenbereiche wie Armut und Wohnen, Armut und Bildung, Armut und Gesundheit sowie Armut und Arbeit diskutiert. Die Ergebnisse werden direkt Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien vorgetragen, um ihre Multiplikatorenfunktion für eine gesellschaftliche Veränderung zu nutzen.

Ebenfalls in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz findet am Donnerstag, dem 24. Juni der Aktionstag der Nationalen Armutskonferenz mit der Überschrift „Armut und soziale Ausgrenzung -Herausforderungen im  Alltag“ statt. Dieser bringt auf der einen Seite vernetzte Hilfeangebote aus besonders von Armut betroffenen Berliner Vierteln mit Personen aus der Politik und den Medien zusammen, lädt aber auch Schulklassen ein, sich hier genauer zu informieren. Mittags brechen Interessierte aus jeder dieser Gruppen in ein bestimmtes Viertel auf, um sowohl die Probleme vor Ort, als auch die professionellen wie ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die sich dort in der Armutsbekämpfung engagieren kennen zu lernen. Hierbei arbeitet die Nationale Armutskonferenz mit einem Kreis Engagierter aus Berlin zusammen, die aus verschiedenen Einrichtungen und Organisationen kommen.

Der „Tag der Kirchen, Diakonie und Caritas" am Freitag, dem 25. Juni steht unter dem Motto „Einladen statt abhängen – Kirchliches Netzwerke unterwegs gegen Armut und Ausgrenzung“. Dieser Tag wurde gemeinsam von Evangelischer Kirche, Caritas und Diakonie vorbereitet. Er richtet sich gezielt an Kirchengemeinden, soziale Netzwerke und gesellschaftlich Engagierte. Es geht um Information, Anregungen, Austausch – und um den Blick über den eigenen Tellerrand. Was können wir tun, damit benachteiligte Bürgerinnen und Bürger besser in die Gemeinde, in die Gesellschaft integriert werden? Wie müssen sich Kirchengemeinden verändern, um Teilhabechancen zu ermöglichen? Wie kann es gelingen, in sozialen Brennpunkten und Quartieren nützliche Angebote für die Bewohner zu entwickeln? Dieser Tag findet in der Landesvertetung von Hessen statt.

Neben diesen zentralen Veranstaltungen führt die Fokuswoche Aktionen und Initiativen zusammen. Hierzu erscheint Mitte Mai ein umfängliches Programmheft, das Sie dann an dieser Stelle herunterladen können. Wir würden uns freuen, Sie auf den Veranstaltungen der Fokuswoche begrüßen zu dürfen und mit Ihnen spannende Diskussionen zu führen!